Partnerschaft

Harmonische Sexualität

Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.“

Als der französische Schriftsteller Nicolas Chamfort diesen Satz prägte, wusste er genau, wovon er sprach. Speziell in der Partnerschaft sieht und spürt man dies am stärksten.

 Wie war es noch vor ein paar Jahren, als man morgens gut gelaunt, immer schon

etwas früher als notwendig wach wurde, noch etwas kuschelte oder sogar

vor dem Frühstück leidenschaftlichen Sex hatte?

Leider kennen viele bereits den grauen Alltag, in dem nicht, wie in den Hollywoodfilmen, immer alles voller Leidenschaft ist und man morgens kraftlos aufwacht, das Aufstehen solange wie möglich hinauszögert, den Partner entweder weckt oder gar auffordert auch aufzustehen, die Kinder weckt, frühstückt und zur Arbeit geht – der alltägliche Trott eben. Manchmal ist das nur der Anfang, wenn beispielsweise noch

finanzielle Probleme, Zeitmangel und unter Umständen physische und emotionale

Probleme hinzukommen.

Die Realität – keine Leidenschaft, eher etwas, das Leiden schafft.

Die Zeit sorgt angeblich dafür, dass die Leidenschaft durch die Realität ersetzt wird.

Aber ist das wirklich so?

Nein, nicht die Zeit sorgt dafür, sondern unser Denken. In unseren unbewussten

Gedanken verschieben sich mit der Zeit die Prioritäten. Was viele allerdings als

normale Entwicklung in einer Partnerschaft empfinden, ist in Wirklichkeit eine verzerrte,

meist von außen vorgegebene Wahrnehmung, dass es wohl schon immer und

überall, in jeder Beziehung so war, ist und immer sein wird.

Falls dies Ihrer Wahrnehmung entspricht, ist es auch Ihre persönliche Wahrheit, jedoch

teile ich diese Ansicht nicht.

Wenn es heißt, dass Leidenschaft und Sexualität in einer Partnerschaft irgendwann

nicht mehr so wichtig sind, weil andere Dinge des Tagesgeschäfts Vorrang

bekommen, dann sage ich ganz klar: Das ist Unsinn!

Leidenschaft ist eine Emotion, die unsere Gefühlswelt vollkommen ergreifen kann

und hin und wieder auch soll. Das gilt in der Liebe genauso wie im beruflichen und

kreativen Leben. Die Emotionen entstanden mit der Entwicklung des limbischen

Systems vor ca. 100 000 000 Jahren. Der Sexualtrieb, der rein die Fortpflanzung zum Zweck hat, entwickelte sich schon früher und hat seinen Sitz im Hirnstamm.

Wenn man nun bedenkt, dass unser heutiges Denken, unsere Art der Wahrnehmung, unser „Tagesgeschäft“ erst durch die Entwicklung des Großhirns möglich war, versteht man allmählich die Problematik. Das Großhirn begann mit seiner Entwicklung erst vor

ca. 60 000 000 Jahren. Sexualität und Leidenschaft gab es schon lange vorher

und alle drei Bereiche mussten sich mit der Zeit ergänzen und entwickeln. Was nützt nun dieses Wissen?

Es hilft uns zunächst, Verständnis füreinander zu haben. Die menschliche

Entwicklung umfasst auch jene des Gehirns und wie in allen Bereichen der menschlichen Entwicklung und des menschlichen Funktionierens gibt es auch Unterschiede bei der Sexualität. Wenn Sie nun als Frau spontan beispielsweise an die Aussage denken, Männer würden immer nur an das Eine denken oder immer „können“, dann kann ich Ihnen mitteilen: Auch das ist – mit Verlaub – Unsinn.

Es gibt sehr viele Faktoren, wie zum Beispiel die Erziehung, vergangene

Erfahrungen, das Alter oder die körperliche Konstitution, die maßgeblichen

Einfluss auf den sexuellen Drang oder die erotischen Vorlieben haben. Was allerdings stimmt, ist, dass der Erregungszyklus bei Männern sehr viel kürzer ist als bei Frauen. Und genau hier liegt meist das Problem. Der Erregungszyklus sorgt oft für eine unharmonische Sexualität, da der Mann leichter erregbar ist, Frauen sind dagegen genauso erregbar, brauchen dafür jedoch etwas länger.

Wenn ein Paar nun ohne dieses Wissen beginnt, kann es passieren, dass die

Leidenschaft trotz körperlicher Erregung sehr schnell abnimmt, da entweder der Mann

das Gefühl hat, sie würde nicht auf ihn reagieren oder umgekehrt, die Frau sich

Vorwürfe macht, weil sie nicht schnell genug reagiert – so oder so, es besteht

keine Harmonie.

Wenn Sie mit diesem Wissen beginnen und auch ein Zeitfenster mit in ein Vorspiel

einplanen“, dann haben beide Seiten zumindest die Chance auf leidenschaftlichen,

erfüllenden Sex.

Sex ist eine gemeinsame Art der Erholung von Spannungen und Stress. Sex ist

auch eine Art des Selbstcoachings innerhalb einer Partnerschaft, denn es ist die

intimste Art, körperliche Nähe zu gestatten, sich zu öffnen, auch auf die Gefahr hin,

seelisch stark verletzt zu werden. Sex ist eine Geste, die aussagt: „Ich vertraue dir ganz und gar“. Es ist der körperliche und geistige Akt des Gebens und des Nehmens.

Natürlich ist Sex nicht alles in einer Beziehung oder einer Partnerschaft – unabhängig vom Alter. Nur kann fehlender Sex zwischen Partnern (fehl-) interpretiert

werden – denn meistens wird dieses Fehlen negativ verstanden und kann sich zu einem beträchtlichen Problem ausweiten.

Wenn Sie so wollen, ist auch Sex eine Art der Kommunikation. Es ist die

Kommunikation von Symbolik innerhalb der Partnerschaft, denn schlechter oder gar kein Sex kann dazu führen, dass sich zum Beispiel eine Frau nicht mehr attraktiv und

begehrenswert fühlt oder der Mann sich aus Sicht der Sozialisierung vom Jungen

zum Mann nicht mehr als „echter“ Mann fühlt.

Fehlender oder „leidenschaftsloser“ Sex kann somit Gefühle der Unsicherheit,

Enttäuschung, Zurückweisung und einige mehr auslösen.

Wenn sexuelle Probleme einmal diese Größenordnung in Ihrem bewussten oder

unbewussten Denken erreicht haben, kann es zu sehr negativen

Denkweisen führen. Diese Denkweisen sind lähmend und schmerzlich zugleich,

anders als „einfache“ Gespräche, bei denen man sich hin und wieder nicht einig wird. Paare haben eine große Chance gar nicht erst in solch schwierige Situationen zu

kommen, wenn sie frühzeitig nicht nur körperliche, sondern vor allem

geistige Hemmungen über Bord werfen. Es ist im Grunde wie in allen

Bereichen des Lebens wichtig zu kommunizieren – das ist jedenfalls weitaus besser als

den anderen denken zu lassen, was man wohl denkt oder fühlt.

Besprechen Sie Ihre Gedanken, Ihre Gefühle und Ihre Vorlieben. Natürlich ist es den

meisten sehr unangenehm, man schämt sich, traut sich nicht, eben weil es das

intimste ist, was Paare verbindet.

Falls Sie sich schämen und anfangen zu kichern, kann sich selbst daraus schon ein

wundervolles Vorspiel entwickeln. Bedenken Sie, dass wir emotionale, spirituelle und

soziale Bedürfnisse haben, die die körperlichen noch ergänzen. Wenn Sie diese mitberücksichtigen, können Sie wunderbar immer wieder neue Aspekte in Ihr Sexualleben einbauen, um die Leidenschaft zu erhalten und Sie können gleichzeitig das gegenseitige Vertrauen weiter ausbauen. Nehmen wir einmal das Bedürfnis, als Partner gebraucht zu werden – aber nicht bei Hausarbeit, Büroarbeit oder Ähnlichem. Fahren Sie zusammen Ihr Parfüm und das neue Aftershave einkaufen (schaffen Sie das Internet für diesen Einkauf ab), entscheiden Sie gemeinsam, ob der jeweils gewählte Duft angenehm ist und wenn Sie schon dabei sind, dann kommen wir auch zum nächsten Bedürfnis, berührt und gestreichelt zu werden. Düfte können auch ein spirituelles Bedürfnis sein oder werden. Sie sehen, allein mit dem Duft an und um ihren Partner, können Sie vieles wieder etwas interessanter machen. Text: Jonny Hofer, www.jonnyhofer.com

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Wie viel Toleranz braucht die Liebe?

Neigen Sie dazu, Ihren Partner in Dingen, die Sie in Wahrheit nichts angehen, zu kontrollieren, in Bereichen, die Sie durchaus betreffen aber, lassen Sie ihm alles durchgehen? Dann herzlich willkommen im Klub! Denn dieses Verhalten findet man bei den meisten Paaren. Es scheint uns zu beunruhigen, wenn der Geliebte anders denkt, anders fühlt, die Dinge anders wahrnimmt oder handhabt als wir selbst. Wir setzen alles daran, den Partner nach unseren Vorstellungen zu formen, weil wir die Unterschiede, die uns einst angezogen haben, nicht hinnehmen können – zu groß ist die Angst, verlassen zu werden. Gleichzeitig geben wir eigene Ansichten und Bedürfnisse auf, nennen es „Kompromiss“ und bemerken gar nicht, dass wir uns selbst aus den Augen verlieren. Unsere Sehnsucht danach, eins zu sein mit dem Anderen, ihn sogar ein wenig unter Kontrolle zu haben, hat einen hohen Preis: Wir zahlen mit Lebendigkeit und freier Selbstentfaltung. Vor allem aber zahlen wir mit Respekt vor dem Partner und vor uns selbst. Denn der Andere tut das Gleiche! Auch er möchte uns nach seinen Vorstellungen formen. Und so kommt es zu einer Art Tanz: In bestimmten Lebensbereichen versuchen wir selbst, den Anderen zu verändern, in anderen hingegen lassen wir uns ändern und machen es dem Anderen oft sogar gegen unser inneres Gefühl recht. Wir können sogar so weit gehen und sagen: In einigen Lebensbereichen benehmen wir uns, wie ein Elternteil, das dem Anderen Vorschriften machen möchte, in anderen dagegen verhalten wir uns, wie ein Kind, das gefallen und nicht verlassen werden will. Das hat mit einer echten Beziehung wenig zu tun, denn diese wird von einem Mann und einer Frau geführt und nicht vom inneren Vater, der inneren Mutter oder dem inneren Kind. Dieser innere Mann und diese innere Frau leben nach folgender Devise: „Ich liebe dich bedingungslos, du darfst sein, wie du willst, aber ich lasse mir nicht alles gefallen, denn mich selbst liebe ich auch bedingungslos.“

Prüfen Sie sich selbst

Beobachten Sie sich selbst einen Tag lang und überprüfen Sie, wie oft Sie den Anderen gerne bevormunden würden. Sie nennen es möglicherweise „für ihn da sein“, „ihm helfen“ oder „für ihn sorgen“. Gleichzeitig erkennen Sie, wie oft Sie es dem Anderen recht machen, ja sagen, obwohl Sie nein meinen oder sich selbst zurücknehmen, um den Partner nicht zu verärgern oder gar zu verletzen.

Probieren Sie es doch einfach mal aus! Lassen Sie Ihren Partner in einem Bereich, den Sie bislang kommentiert haben, in Ruhe. Fragen Sie ihn, ob er Ihre Meinung hören möchte oder nicht und respektieren Sie seine Entscheidungen! Fassen Sie sich gleichzeitig ein Herz (ich weiß, das schreibt sich leichter als es ist) und sagen ihm klar und deutlich, was Sie wollen und was nicht. Entlassen Sie sich gegenseitig aus dem Korsett der Ansprüche und entdecken Sie sich neu, beenden Sie den immer gleichen Tanz und versuchen Sie einmal einen Freestyle. Dafür braucht es Mut, denn Sie wissen nicht, wie der Andere reagieren wird. Doch Sie werden sich wundern, wie anziehend Sie Ihren Geliebten plötzlich wieder finden und wie frei Sie sich fühlen werden, wenn Sie respektvoll miteinander umgehen: mit dem Anderen, aber vor allem mit sich selbst.

Text: Susanne Hühn, www.susannehuehn.de

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Separation

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