Burn OUT

Seelischer Kolbenfresser!

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Dipl. päd. Andreas Winter, Iserlohn

Es beginnt meist harmlos, unauffällig und schleichend. Die Erleichterung, dass endlich Feierabend ist, und das Gefühl, morgens schlechter wach zu werden, sind deutliche Vorboten. Doch es steigert sich: Gereiztheit wechselt sich mit Niedergeschlagenheit ab. Antriebslos und überfordert bringt man den Tag hinter sich – nicht nur den Arbeitstag, nein, der ganze Tag, das ganze Leben ist plötzlich wie ein hoher Berg, den man einfach nicht mehr bewältigen kann. Alkohol und Tabletten erscheinen wie Strohhalme, an die man sich klammern möchte, im Wissen, dass nichts mehr vor dem Untergang bewahren kann.

Die Rede ist vom Burn-out-Syndrom. Zwar medizinisch nicht als Krankheit akzeptiert, greift die körperliche und psychische chronische Überforderung jedoch um sich wie ein Flächenbrand. Schätzungen zufolge haben in Deutschland zwischen 10 bis 25 Prozent aller Erwerbstätigen bereits Erfahrungen mit chronischer Ausgebranntheit gemacht, jede neunte Person gilt als behandlungsbedürftig.
Das Syndrom ist vielschichtig und facettenreich und umfasst unter anderem Depression, Hektik, Wutanfälle und langes Vor-Sich-Hinstarren. Das Läuten des Telefons macht Angst, erzeugt sogar körperliche Schmerzen. Jede kleinste neue Anforderung ist wie der berühmte letzte Tropfen im Fass, der es zum Überlaufen bringt. Jene habe Glück, die noch in der Lage sind, weinen zu können – das entlastet wenigstens etwas.

Doch es gibt eine Chance. Im Laufe meiner 25-jährigen Erfahrung mit psychischen und psychosomatischen Störungen begegnete ich vielen Menschen mit Burn-out, die schon alles an Therapiemöglichkeiten hinter sich hatten. Es gab eine übersehene Gemeinsamkeit, die alle verband: Eine tief sitzende Angst vor Ablehnung, erzeugt im frühen Kindesalter, die mit eiserner Disziplin überspielt wurde: das Gefühl, nicht zu genügen, sich durch Leistung eine Existenzberechtigung erarbeiten zu müssen. Das fehlende Selbstwertgefühl ist offenbar der Grund, der aus einem Menschen eine „Pflichterfüllungsmaschine“ macht, die schon viel zu lang hochtourig läuft und einen seelischen Kolbenfresser entwickelt. Bloß nicht nachlassen, bloß nicht versagen, auf keinen Fall Schwäche zeigen – das war es, was den Motor zum Qualmen brachte. Herzprobleme und Suizidgedanken sind da fast naheliegend.

Moderne tiefenpsychologische Verfahren können dabei helfen, die Drehzahl wieder herunterzufahren und seelisches Öl nachzufüllen, ohne dass die berufliche Erfolgskurve nachlässt. Im Gegenteil: Meist stellt sich heraus, dass Menschen, die mehr Souveränität und Gelassenheit entwickeln, sehr viel mehr Anerkennung bekommen, viel mehr Rücksicht erfahren, und gerade weil sie sich nicht mehr ausnutzen lassen, die Karriereleiter erklettern – mühelos. Klar, wer bewundert denn schon ein Pflicht erfüllendes Nervenbündel, das sich selbst ausbrennt, um seinen Anforderungen gerecht zu werden? Sie etwa?
Doch um diese ernste gesundheitliche Bedrohung abzuwenden, bedarf es mehr als nur tröstendes Zuhören für eine Stunde pro Woche. Die bisherige Psychotherapie steht diesem Phänomen wie der „Ochs vorm Berge“ gegenüber und mit Medikamenten kann man bestenfalls Symptomkosmetik betreiben, nicht aber Ursachen auflösen.

Den kompletten Bericht können Sie in der  VITA – Einfach Leben Ausgabe 12 –  November/Dezember lesen. Sichern Sie sich schon jetzt Ihr Abo oder erwerben Sie VITA – Einfach Leben im gut sortierten Handel in Österreich u. Deutschland.

Bild:  © Picture-Factory – FOTOLIA.com

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